Logbuch - dt

Samstag, 22.04.06

11.00 Uhr
Ankunft im Kloster von Citeaux, dem Gründungskloster des Zisterzienserordens.
Zunächst vergewissern wir uns, nicht in eine Gebetszeit zu stoßen. Und warten.

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11.30 Uhr
Auf dem Gelände treffen wir auf einen Schweizer Jesuiten-Novizen namens Gael. Er will uns mit dem Mönch bekannt machen, der für Außenkontakte zuständig ist, Frère Bertrand-Marie.

12.15 Uhr
Treffen mit Frère Bertrand-Marie. Gespräch über das Projekt mit sensiblen Fragen die künstlerischen Absichten betreffend.
Novize Gael hilft übersetzen.

Auf die Frage, was das Projekt inhaltlich mit dem Kloster Citeaux zu tun habe, weise ich auf die mittelalterliche Kultivierungs- und Kolonialisierungsleistung des Zisterzienserordens, insbesondere die Verbreitung von Schrift, durch die Ausweitung des Klosternetzes über Europa. Außerdem erwähne ich die historischen Kommunikationregeln des Klosterverbundes, die vorschrieben, dass einmal im Jahr ein Gesandter von Gravenhorst nach Citeaux reiste, um die Verbindung von Ordenszentrum und Tochterklöstern zu pflegen. Mein Anliegen sei es, die Kommunikation zwischen dem Gründungskloster Citeaux und dem Tochterkloster Gravenhorst, jetzt Kunsthaus Kloster Gravenhorst wieder aufzunehmen. Ich erkläre meine Bereitschaft, eine Botschaft des Klosters Citeaux nach Gravenhorst zu bringen, um einen Dialog einzuleiten.

Auf die Frage Frère Bertrand-Maries, warum meine Wahl auf den Zisterzienserorden gefallen sei, führe ich die strengen Ordensregeln an, gerade im Architektonischen bestünde eine Parallele zur formalen Strenge des zu faltenden Schiffes. Denn die Kirchenschiffe der Zisterzienserklosterkirchen seien grundsätzlich im Längen-Breitenverhältnis gebaut, die der Grundfläche des zu faltenden Papierschiffes entspräche. (Darüber hinaus bestünde in der Grundlage für die Ordensgründung – der Abkehr einiger Geistlicher von den zu weltlichem Reichtum gelangten christlichen Klöstern - augenscheinlich Berührungspunkte zu meiner Arbeit als Künstler.) Frère Bertrand-Marie stellt im Anschluß an das Gespräch unser Anliegen dem Abt des Klosters vor.

17.15 Uhr
Erneutes Treffen mit Bruder Bertrand-Marie.
Er übermittelt das Einverständnis des Abtes: das Schiff dürfe auf dem Klostergelände vor der Klosterkirche gebaut werden.


Sonntag, 23.04.2006

09.00 Uhr
Begrüßung durch Frère Henry:
Vous etès les pêcheurs. Oui? - Ihr seid die Menschenfischer, oder?

09.30 Uhr
Herstellung einer großen Tetra-pac Fläche im Seitenverhältnis 2:1, das dem Verhältnis der Grundmaße der Klosterkirche entspricht.

10.30 Uhr
Fertigung des riesigen Papierschiffchens.
Vor der Kirche des Klosters l’abbaye de notre dame wird die
Papierfläche geschweißt und dann gefaltet.
Novizen helfen beim Falten des 80 qm ´Blattes´. Es wird exakt
nach der Origamianleitung für die Faltung des klassischen Papierschiffchen gefaltet.

Es sind auch einige Novizen anderer Orden anwesend, die in Citeaux Urlaub machen. Während dieses Arbeitstages sprechen und diskutieren wir über das Vorhaben. Die Novizen weisen auf eine Bindung zwischen Kunst und Religion.

18.00 Uhr
Das Schiff ist fertig.
Wir dürfen Kammern in der Gästeherberge des Klosters beziehen.

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Filmstills


Montag, 24.04.2006

Schiff wurde nachts beschädigt und umgeworfen.
Frère Bertrand-Marie meint, jemanden des Nachts gesehen zu haben und zu wissen, wer es getan hätte; der Mann sei verrückt, „c’est un fue“. Er schlägt vor, die Polizei zu verständigen.
Ich frage, ob es möglich sei, diesen Mann um Hilfe bei den Reparatur-Arbeiten zu bitten. Frère Bertrand-Marie verweist erneut auf dessen Gesundheitszustand.
Frère Alberique bringt das Schiff in die Klosterwerkstatt, um es dort zu reparieren.

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Dienstag, 25.04.2006

10.00 Uhr
Reparatur des Schiffes beendet und eintägige Präsentation des Schiffes vor dem Klosterhof. Um 15 Uhr erscheinen drei Polizisten aus St. Goerges de la Nuits und fragen, ob wir Anzeige erstatten möchten. Für den Fall, dass eine Versicherung für den Schaden aufkommt, würden sie einen Bericht über den Vorfall verfassen.

Am Nachmittag stehen Fototermine mit Mönchen an. Bruder Michel verfasst einen Text über „En route de Citeaux à Gravenhorst“ für die örtliche Presse.

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Frère Bertrand-Marie, Frère Alberique

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Frère Michel, Frank Bölter, Frère Arnaud

Als sich herumspricht, dass wir in Kürze aufbrechen wollen, kommen immer mehr Mönche und möchten noch mal schnell das Boot sehen, wünschen uns gute Reise und möchten auf dem laufenden gehalten werden über die Reise. Ich erwähne die Internetseite und verspreche, im Anschluß an die Reise, eine Fotodokumentation nach Citeaux zu schicken.

Frère Bertrand-Marie bittet uns noch einen Moment zu warten. Er kommt einige Sekunden später wieder mit einem Käse aus eigener Herstellung und erwähnt, dass in Citeaux über 100.000 Käse p. a. hergestellt werden. Wir bedanken uns für die außergewöhnliche Gastfreundschaft. Da es schon spät sei, fragt Bertrand-Marie, ob wir nicht noch eine Nacht ihre Gäste sein möchten. Nachdem wir den Eindruck haben, dass es tatsächlich keine Umstände macht, willigen wir ein, und freuen uns über die erneut uns zuteil werdende Gastfreundschaft.

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Frère Michel und Frère Arnaud vor der Klosterkirche


Mittwoch, 26.04.2006

10.00 Uhr
Frère Bertrand-Marie übergibt eine Botschaft des Klosters im Namen von Abt und Bruderschaft an das Kunsthaus Kloster Gravenhorst.
Verabschiedung.
Abreise zum 8 Km entfernten Saône-Ufer. Dort soll der Stapellauf stattfinden.

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12.00 Uhr
Stapellauf in Charray s. Saône. Außentemperatur 12°C , Wassertemperatur 18°C. Regen, Windstärke 2.
Verabschiedung durch James und Hund Nénes, die dort wohnen.

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Beginn der Expedition.
Wir warten auf ein Schiff, welches das Papierschiff in Schlepptau nimmt.
Nach vier Stunden Wartezeit kommt erneut James und erzählt, dass die Saône Hochwasser führt und für Schifffahrtsverkehr gesperrt sei.
Das Schiff muss nun vom Ufer aus, das Ufer entlang die Saône stromaufwärts gezogen werden. Ich steige entmutigt wieder an Land. Die Schiffsreise beginnt bei Dauerregen durch das Saônetal. Das Schiff wird gezogen bis St. Jean de Losne. Ein Fußmarsch über Stock und Stein um viele Sträucher und Büsche herum bis in die Dunkelheit hinein.


Donnerstag, 27.04.2006

20.00 Uhr
Ankunft in St. Jean de Losne. Außentemperatur 15°C, Wassertemperatur 18°C. Regen, Windstärke 3.
Aufgrund von Dauerregen und der Fließgeschwindigkeit der Saône (wegen des hohen Wasserstandes) ist das Boot in keinem guten Zustand. Hoffen auf eine trockene Nacht und besseres Wetter.
Die Hände schmerzen.

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Das Schiff muss gemäß einer im Vorfeld erteilten schriftlichen Weisung der Wasser- und Schifffahrtsdirektion abends aus dem Wasser gehoben werden.


Freitag, 28.04.2006

09.00 Uhr
Abfahrt nach Auxonne.
Außentemperatur 14°C, Wassertemperatur 18°C. Wetter wechselhaft, Windstärke 3.
Schiff muss weiterhin das Ufer entlang gezogen werden. Sträucher machen das Ufer unwegbar. Das Schiff muss oft aus dem Wasser gezogen werden und nach einer Barriere wieder ins Wasser gesetzt werden. Ich habe Blasen an den Händen.

14.30 Uhr
Havarie bei St. Seine: Ein merkwürdiges einem Schlag ähnelndes Geräusch gegen die Bordwand lässt uns aufhorchen; an Land entdecken wir später ein Leck. Das Boot füllt sich mit Wasser, es kann jedoch noch vor dem Kentern an Land gezogen werden.
Kurz darauf schreitet zu uns ein Fluss-Anwohner. Er hinkt sehr stark und erkundigt sich, was wir hier wollten.

Nach kurzer Erklärung unseres Anliegens lädt er zu einem Kaffee ein.
In seinem Wohnzimmer sitzend werden wir kurzfristig etwas unsicher als wir zwei über dem Sofa hängende Gewehre entdecken. Aber Pascal Billet ist freundlich, bietet Bier und Kaffee an; legt für uns eine Platte mit deutscher Musik auf: Kraftwerk.
Über unsere Reise zeigt er sich spottend erstaunt: „Wo wollt Ihr hin? Nach Deutschland? Werden dort immer solche Schiffe gebaut? “. Es wird lange und ausgiebig über das Material diskutiert und erörtert, ob es der Reise standhalten kann. Er sagt seinem Nachbarn Bescheid und unterrichtet ihn über den überraschenden Besuch von zwei Deutschen, die zurück nach Deutschland möchten. Wir berichten erneut über unsere Reiseabsichten. Der Nachbar gibt uns den Rat, ein paar Planken in das Boot einzuschlagen, um dem starken Wind trotzen zu können.

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Ich frage Pascal Billet schliesslich, ob er mit mir ein neues Schiff bauen möchte. Billet erwähnt darauf einen Motoradunfall und verweist auf seine Gehhilfe. Er bittet seinerseits, das Schiff behalten zu dürfen - als Dekoration für seinen Garten.
Ich lade ihn ein zur Eröffnung der Ausstellung am 28.05 ins Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Wir reparieren das Boot und Pascal Billet unterschreibt das Schiff.

Pascal Billet kennzeichnet das Boot zum Abschied.

Abends gelangen wir in den Hafen von Auxonne.


Samstag, 29.04.2006

09.30 Uhr
Das Schiff ist nicht mehr da. Hat es jemand aufs Wasser gesetzt oder hat es der Reinigungsdienst abgeholt?
Im Rathaus erkundigen wir uns, ob jemand etwas über sein Verbleiben wüsste. Von dort schickt man uns zur Wasser- und Schifffahrtsdirektion.
Dort weiß man jedoch nichts.
Aber man erklärt, dass die Saône momentan für jeglichen Schiffsverkehr gesperrt sei, wegen Hochwasser. Nachforschungen über den Verbleib des Schiffes werden angestellt, bleiben aber ergebnislos.

Besuch bei der „Mairie“, Bürgermeisterei von Auxonne

„Ein Papierschiff, sagen Sie, das gestern hier festgemacht hat.
Gestern abend waren noch Jugendliche hier, die haben das vielleicht los gemacht. Ich bin um 10 ins Bett. Heute morgen war es nicht mehr da.“

Start am 26.04.2006 in Charrey sur Saône

Havarie bei St. Seine am 28.04.2006

Erreichen von St. Jean de Losne am 27.04.2006 Bau eines neuen Schiffes in Auxonne am 30.04.2006

12.00 Uhr
Anfrage in Auxonne bei der école francaise de voile, dortige Segel- und Surfschule, ob dort ein neues Boot gebaut werden könne.
Man erklärt sich einverstanden. Am nächsten Tag ab 14.00 Uhr könne dort das neue Schiff gebaut werden.


Sonntag, 30.04.2006

In der Segelschule scheitert der Versuch, die Kartonfläche zu schweißen an starkem Wind (Windstärke 3, böig).

Montag, 1.05.2006

Auf dem Campingplatz l’Aquabure wird ein neues Schiff gefertigt.
Eine Parzelle stellt der Betreiber freundlich zur Verfügung. Er möchte, dass seine kleinen Söhne später mitfahren.
Zusammen mit französischen Campern und dem Betreiber des Platzes wird das Schiff zum Ufer der Saône getragen …

… und gewassert.

Filmstills



Dienstag, 02.05.2006

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Nach Anfrage beim Aufsichtspersonal der Segelschule kann das Schiff in einer 4-stündigen Fahrt nach Lamarche gezogen werden. Der elfjährige Segelschüler Marcel freut sich über das Angebot, im Boot mitfahren zu können. Andere Schüler der Segelschule ziehen das Schiffchen mit einem Katamaran. Auf halber Strecke tauscht Marcel mit Pascal, der vorher auf dem Katamaran fuhr. Sie erkundigen sich zwischendurch bei ihren Eltern, ob sie bis in den Abend hinein fahren dürfen. Die Eltern holen sie in Lamarche ab.

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Dort vertäue ich das Schiff an ein vor Anker liegendes Sportboot. Es soll das Faltschiff morgen nach Gray ziehen.

Am nächsten morgen zeigen sich französische im Luxussportboot „Connoisseur“ –reisende etwas überrascht über ihren zu Teil werdenden unfreiwilligen Auftrag, willigen aber dennoch leicht skeptisch ein.
Zwischenstopp bei Pontailler. Weiterfahrt über Talmay,….

Filmstills


Mittwoch, 03.05.2006

Ich erkundige mich bei vier mit einem Hausboot reisenden Schweizern, ob Sie das Papierschiff samt Botschaft gen Norden ziehen. Die zunächst vornehm wirkenden sind nahbar und kontaktfreudig. Sie willigen ein.
Für den nächsten Tag gilt die Verabredung.


Donnerstag, 04.05.2006

Treffen um 08.30 Uhr, Vorbereitung, Abfahrt.
Sie zeigen Vergnügen, am Projekt beteiligt zu sein. „Wir haben ja Zeit. Nicht so wie die meisten Schweizer.“

Während der Fahrt reißt die Vertäuung aus dem Papier des Bootes. Die vier Herren fragen nicht lang, was zu tun sei, sie hieven das Boot munter auf ihr Schiff und stellen es auf das Dach. Die Fahrt geht weiter.
Ankunft in Epinal um 21.30 Uhr

Die vier Schweizer bedankten sich für das Reiseabenteuer. Sie müssen nun langsam an ihre Heimreise denken und verabschieden sich herzlich.


Freitag, 05.05.2006

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Im Port de Plaisence, dem Sporthafen von Epinal, schauen wir nach Hilfsbereiten, die das Schiffchen weiter Richtung Deutschland befördern. Im Schlepptau oder Huckepack.
Jetzt befindet es sich auf der Moselle, dem französischen Teil der Mosel.
Ein Sportfischer, Gérard, erzählt von einem Australier, welcher morgen hier anläge, danach nach Holland weiterführe.
Wir hoffen, dass er das es mitnehmen wird.
Das Schiff ist durch die Reise im Boot und etliche Kilometer gegen die Strömung instabil und wirkt beklagenswert. Wir halten es aber in Ehren.

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Port de Plaisence, mit Sportfischer Gérard


Samstag, 06.05.2006

Als ich mich um 08.00 Uhr im Port de Plaisence auf die Suche nach der „Rovi“ mache, so sollte das Boot der Australischen Crew lauten, kann ich sie nirgends finden. Als ich erneut auf Gérard treffe, erklärt er mir, dass die „Rovi“ bereits vor einer Stunde losgemacht hätte. Wir verlieren keine Zeit und gehen mit unserem Schiff hinterher. Erfreulicherweise ist das Ufer übersichtlich und gut begehbar. Gérard meint, aufgrund der vielen Schleusen können sie nicht weit sein und auch zu Fuß noch erreichbar.

Filmstills

Wir müssen durch eine Schleuse. Erfreulicherweise ist ein Schleusenwärter anwesend, der uns durch die Schleuse lässt, sodass wir dass Schiff nicht aus dem Wasser und um die Schleuse herumtragen müssen. Das spart wertvolle Zeit und Kraft. (Üblicherweise sind die Schiffe, die die Schleusen passieren mit einer Fernbedienung ausgestattet. Beim Papierschiff hat man eine Ausnahme gemacht.)

Und weiter. Sie sind an der nächsten Schleuse…

„Why are you filming all the time? Is it necessary“ – „It’s important to have some kind of documentation for the exhibition, which will be realised after the journey in Gravenhorst“. Wir entscheiden, nicht mehr zu filmen, um die Australier nicht zu bedrängen.
Barbra, Heather und ihre männlichen Reisebegleiter Stuart und Andrew lassen sich, nachdem sie das Schiff an der nächsten Schleuse in Augenschein genommen haben, auf den Vorschlag ein. Zuvor habe ich in wenigen Worten das Projekt und die Notwendigkeit ihrer Beteiligung erklärt. Sie weigern sich allerdings, das Schiff an Deck zu transportieren, da es ihre Rovi nicht „schmückt“. Es sei schon zu beschädigt. Schweren Herzens tragen wir es unter Deck. Wir verabreden die Übergabe in Mainz am Dienstag um 14.00 Uhr und verabschieden uns. Mein Vorschlag, sich in Koblenz zu treffen, findet kein Gehör. Aber das Glück über die Beförderung des Schiffes ist groß. Wir können uns ein paar Tage entspannen und die Wunden lecken, die die Strapazen der letzten Tage einbrachten.

Filmstills

Reisebegleiter Ihno Beutler verabschiedet sich plötzlich ins lange Wochenende. Wie lang das sein wird, so sagt er, sei ungewiss. Ich vermute, die Strapazen der Reise wurden beiderseits unterschätzt.


Sonntag, 07.05.2006

Ich überlege, die Reise abzubrechen. Die Anstrengungen der letzten Tage waren und die Beschwerlichkeiten der Reise sind insgesamt zu groß. Das täglich neue Reagieren auf eine nicht vorhersehbare Situation, das Organisieren, „irgendwie“ vorwärts zu kommen neben den Schwielen an Händen und Blessuren an den Beinen vom ewigen Schiff-aus-dem-Wasser-heben-und-um-die-Schleuse-herumtragen hinterlassen Spuren.


Montag, 08.05.2006

Anruf von Ihno Beutler. Es müsse sofort weiter gehen. Er sei umgehend wieder dabei. Ich revidiere im Stillen meine bereits getroffene Entscheidung, die Reise abzubrechen.

Canal de l’est


Dienstag, 09.05.2006

Wir warten vergeblich auf die Ankunft der Australier.
Sollen wir das Boot aufgeben. Als abends noch immer kein Anruf kommt, wird überlegt, wie die Reise fortgesetzt werden kann. Mit einem weiteren neuen Boot? Oder machen wir uns auf die Suche nach dem Alten?


Mittwoch, 10.05.2006

Um 9.30 Uhr erreicht mich der Anruf von Barbra, dass die Rovi der Australier etwas langsamer vorangekommen sei. Das schlechte Wetter in Frankreich sei schuld gewesen. Sie würden aber nicht bis nach Mainz fahren. Sie fragen, ob wir das Schiff in Cochem abholen könnten. Sie lägen dort im Hafen und würden das Papierschiff dort an der Kaimauer absetzen. Wir würden es dort vorfinden. (Sie vermittelt das Gefühl, nicht nur glücklich mit der betrauten Aufgabe gewesen zu sein.) Auf meine Frage, ob sie auf uns warten könnten, lehnt sie ab. Ich bedanke mich für ihren Beitrag. Die Reise scheint ihre Fortsetzung zu finden.

12.15 Uhr
Nachdem wir das Boot wieder etwas ansehnlicher gestaltet haben bitten wir Herrn Tibus vom Bootsverleih Tibus, das Boot auf die andere Uferseite zu fahren, damit wir dort am Freitag bei der Jeverland anheuern können, die uns nach Koblenz bringen kann. Er ist allerdings der Meinung, wir können mit unserem Boot nicht mit weiterer Unterstützung rechnen und sollten doch ein neues Schiff bauen („Damit können sie keine Werbung machen“.)
Um 14.00 Uhr fährt die Wasserschutzpolizei am Ufer vorbei und macht kehrt. Wasserschutzpolizeimeister Oster erkundigt sich über das Gefährt und gibt wertvolle Tips zur Stabilisierung des Bootes. (Warum haben Sie denn kein Gerüst gebaut und es anschließend mit dem Material verkleidet?)

Filmstills


Donnerstag, 11.05.2006

10:10 Uhr Anruf bei der Marketingabteilung der KD (KölnDüsseldorfer). Dort will man abwarten, wie voll das Schiff am Freitag ist. Wenn noch Platz an Deck sein sollte, will man das Schiff mitnehmen. Wir hoffen auf die Kooperation des Kapitäns der Jeverland am Freitag. Die anschließende Anfrage bei der Touristeninformation in Cochem, ein neues Schiff in Cochem zu bauen, wird von Frau Fitzner begrüßt. Wir verabreden uns für morgen Vormittag.


Freitag, 12.05.2006

Um 10.30 Uhr treffen wir uns mit Frau Fitzner vom Verkehrsamt Cochem. Sie ermöglicht uns, das neue Faltschiff, dass wir auf Anraten von Herrn Tibus bauen möchten, auf dem Endertplatz im Herzen von Cochem herzustellen.

Tourist Information, Cochem

Wir beherzigen den Rat von Herrn Tibus und falten mit Hilfe von Peter Fischer, Kathrin Arens, Alena Stoll und Corola Pauly (der Klasse 11 des Gymnasiums Cochem), einer Reisegruppe aus Dortmund sowie vielen anderen Helfern das neue Boot. (Mittlerweile ist es keine Überraschung mehr, dass das Schiff überall als willkommene Dekoration für Touristen- und Gruppenfotos fungiert.)

14.45 Uhr
Herr Tibus nimmt das neue Schiff ins Visier. Damit, glaubt er, wird uns die KD keine Schwierigkeiten bereiten. „Sie müssen Holz für ihr Boot verwenden, dann können Sie damit auch um die Welt reisen.“

15.10 Uhr
Auf meine Anfrage tragen die stadtbekannten „Endertplatz“-trinker Emil und Co. das neue Schiffchen zur Jeverland der Linie KölnDüsseldorfer, wo es nach anfänglicher Irritation der KD-Mannschaft und einem kurzen Gespräch mit Kapitän Allert an Deck am Schiffsbug seinen Platz findet. Um 15.40 Uhr wird stromabwärts Richtung Koblenz abgelegt. Die Jeverland fährt über Treis-Karden nach Koblenz. An Board erkundigt sich die Besatzung über das Projekt und spendiert Getränke.

Filmstills

Über Nacht wird das Schiffchen im Skulpturenpark des Museums Ludwig (Deutschherrenhaus am Deutschen Eck in Koblenz) geparkt. (Kinder im Museumspark fragen ihre Eltern, ob sie damit auf dem Rhein fahren dürfen. Die Eltern untersagen ihren Kindern amüsiert die Bootsfahrt.) Die Museumsleitung wird informiert und um Verständnis für die temporäre Erweiterung ihres Skulpturenparks gebeten.


Samstag, 13.05.2006

Das Papierschiff wird auf die KD-Fähre Drachenfels verladen und an Deck nach Köln gefahren. Etliche Gäste erkundigen sich über das Kunstprojekt und möchten das Schiff auf eigene Faust ins Wasser setzen. Ich erwähne das Ausstellungsprojekt in Gravenhorst und von der bisherigen Reise und der Absicht, am 28.05. dort im „Nassen Dreieck“ einzulaufen, um die Botschaft der Mönche zu überbringen. Man hat Verständnis und begnügt sich mit Bildmaterial.

Filmstill


Sonntag, 14.05.2006

Weiterfahrt den Rhein hinab zur Fähre eines Heiko Dietrich, der ein Bastler und Bootsbauer sei. Können wir mit dem Papierschiff über den Rhein fahren? (Zuvor div. Gespräche mit verschiedenen Fährenbetreibern in Köln.)

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Anlanden in Köln (Poller Wiesen).

Heiko Dietrich erklärt sich bereit, wenn wir bestimmte Veränderungen am Papierschiff vornehmen, das Schiff bis mit seiner Krokolino nach Mühlheim zu ziehen. Um die Absicht, die Botschaft der Mönche rechtzeitig nach Gravenhorst zu bringen, nicht zu gefährden, zeigen wir uns kompromissbereit und verabschieden uns nachdenklich. Nach verschiedenen Anfragen bei anderen Fährschiffern erklären wir Herrn Dietrich, uns bei ihm zu melden, sobald das Schiff fahrtüchtig für den Rhein ist. Wir peilen Dienstag nachmittag an.
Gegen 16.00 Uhr ruft das Wasser- und Schifffahrtsamt Trier an und fragt, wo wir denn bleiben. Man würde das Papierschiff erwarten. Ich erkläre, dass wir dank einiger australischer Touristen bereits überraschend weit vorangekommen sind. „Dann haben wir ja eine Sorge weniger.“, erklärt der Beamte.

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Heiko Dietrich, Krokolino


Montag, 15.05.2006

An den Bordwänden wird eine weitere Lage Tetra-pac angeklebt. Das kostet einen Tag Arbeit. Die Hoffnung, dass sich Heiko Dietrich morgen bereit erklärt, das Schiff zu ziehen, hält uns bei aller Mühe bei Laune.


Dienstag, 16.05.2006

Besuch bei Heiko Dietrich. Nachdem er das Schiff inspiziert, erklärt er erneut, dass er einen guten Ruf zu verlieren hätte. Den würde er mit diesem Schiff nicht aufs Spiel setzen. „Fahrt zu Thies (Baumarkt für Schiffsbedarf), da gibt es billig 5-fach Sperrholz, das klebt ihr in die Wände, dann kann ich euch fahren.“ Mein Einwand, dass sei nicht erlaubt, da es sich um ein Faltschiff handele, was bestimmte Auswirkungen auf die Wahl des Materials und die handwerkliche Fertigung habe, bleibt unerhört. „Wenn ihr tut, was ich sage, fahr ich Euch.“ …“Wenn mir einer dumm kommt, mach ich das sowieso nicht.“
Entmutigt wird seine Fähre verlassen. Reisebegleiter Ihno Beutler meint: „An manchen Wilden beißt man sich die Zähne aus.“


Mittwoch, 17.05.2006

Nach schlafloser Nacht ist die morgendliche Stimmung gedrückt – entsprechend dem Wetter. Strömender Regen. Nach stundenlangem Sinnieren über die Fortsetzung der Reise wird, sei es Geistesgegenwart oder Verzweiflung, eine Entscheidung gefällt: Eine weitere Schicht Tetra-pac an die Bordwände.


Donnerstag, 18.05.2006

Das Schiff wird zum Anleger der Zündorffähre von Heiko Dietrich gebracht. Das am Rhein zufällig vorbei flanierende Ehepaar Endert hilft beim Tragen. Nachdem ich meine Absicht bekundet habe, mit dem Papierschiff über den Rhein zu fahren, erklärt Herr Endert seine Zuversicht: „Das wird klappen“.

Kurzerhand hieven wir ihn ins Boot und halten ihn an kurzer Leine. Herr Endert ist leicht und relativ klein, sodass das Boot praktisch unbeschädigt bleibt, von seinem Aufenthalt. Außerdem wirkt das Boot noch größer.
Heiko Dietrich sieht das jedoch nicht gern. Wir müssen das Schiffchen unverzüglich wieder an Land ziehen und Herrn Endert aus dem Boot holen.
„Nicht in der Nähe meines Anlegers, dafür übernehme ich keine Verantwortung“, gibt er zu bedenken. „Die Strömung in der Mitte ist mörderisch. Das ist nicht zu machen. Wir können froh sein, wenn wir das Schiff da heil rüberbekommen.“

Heiko Dietrich stellt weitere Forderungen bezüglich Preparation und Stabilität des Bootes, „Ihr braucht Spannseile zwischen Bug und Heck sowie eine stabilere Bordwand, kommt mal mit“. Er versorgt uns mit entsprechendem Material, dass in den nächsten 3 Stunden anbringen. Später kommen noch Hüpfbälle ins Boot.

Er willigt ein, nach seinem Feierabend gegen 19 Uhr das Schiff zu ziehen, verbietet uns allerdings auf dem Papierschiff mitzufahren. Herr Endert versucht, ihn umzustimmen. „Ich möchte gern mitfahren, ich bin ein guter Schwimmer“. Herr Endert hilft mit bei den Vorbereitungen und erweist sich als ausgezeichneter Handwerker. Auf meine Frage, was er beruflich macht, erwidert er, dass er vor seiner Pensionierung als Rheinschiffer beschäftigt gewesen sei. Aber wir müssten uns beeilen, er möchte mit dem Schiff fahren bevor es dunkel wird.

Etliche vorbei fahrende oder spazierende Passanten erkundigen sich interessiert über das Projekt und möchten das „Wassern“ des Schiffes mitansehen. Wir vertrösten sie auf später. Manche werden ungeduldig, viele wünschen viel Erfolg und gute Reise. Heiko Dietrich kommt zwischen seinen Fährfahrten immer wieder und schaut nach dem Fortschreiten der Vorbereitung. Er scheint allmählich Vergnügen an unserm Schiff zu entwickeln und verspricht: Gleich geht’s los“. Gegen 19.15 Uhr bringen wir das Schiff zu Wasser und vertäuen es an der Krokolino.

An Land wird applaudiert und auch Heiko Dietrich äußert sich positiv überrascht über die Schwimmfähigkeit der Barkasse. Ich äußere meine überraschung über seine Fähre Krokolino, die er, wie er mir im sofort erklärt, selbst gebaut hat. Die Reise kann beginnen. Wir kreuzen den Rhein, was das Papierschiff an seine Belastungsgrenze bringt. Es kommt ein Großschiff entgegen. Wir müssen beschleunigen, was den Bug des Papierschiffes nach unten zieht. Wir bangen um das Schiff.

Jenseitig ist das Wasser ruhiger, die Strömung nicht zu stark. Der Wasserstand ist ziemlich hoch, was die Fließgeschwindigkeit des Rheins nach Auskunft von Heiko Dietrich noch erhöht. Er ist überrascht, dass das Schiff die Fahrt übersteht. Mir wäre das klar gewesen, gebe ich zu verstehen. Leider lässt er sich immer noch nicht überreden, eine Person im Papierschiff zu befördern.
Auf Einwand von Herrn Endert kommt dieser doch noch zu seinem Recht und wird kurzerhand ins Boot gehoben, nachdem wir es am gegenüberliegenden Ufer noch einmal wieder in Form gebracht haben.

Nach abendlicher Fahrt ist das Gefährt in Mitleidenschaft gezogen.
Wir sind in wieder in Köln-Poll.


Freitag, 19.05.2006

Es ist sehr windig. Wir sehen keine Möglichkeit, das Schiff heute dem Wetter ausgesetzt weiterzubefördern.
Telefonat mit Herrn Lehmacher vom Wasser- und Schifffahrtsamt Köln.
Ich erkundige mich nach Möglichkeiten, mit Industrie- oder Personenschifffahrt nach Düsseldorf oder Duisburg. Herr Lehmacher erwähnt, dass entgegen landläufiger Meinung die KölnDüsseldorfer keine Verbindung zwischen Köln und Düsseldorf fährt. Allerdings ist am kommenden Samstag ein großes Rheinfest. Ausserplanmäßig fährt die Drachenfels von Köln nach Düsseldorf von 18 bis 21 Uhr. Die KD könnte sich bereit erklären, das Papierschiff mitzunehmen. Umgehend rufe ich bei der KD (Herr Schwarz, Tel: 01607071540) dort an. Herr Schwarz erklärt mir, dass das Schiff von einem Verein, dessen Namen er nicht nennen möchte, gechartert ist. „Wenn ich ihnen sage, dass das nicht möglich ist, dann können sie mir das schon glauben“, erklärt er resolut. Er nennt mir freundlicherweise die Fa. DampfColonia, so sei sein Kenntnisstand an der abendlichen Unternehmung teilnimmt. Dort erklärt mir der Herr Weber, dass die Dampfcolonia nicht teilnehme, ich könne allerdings ein Schiff buchen für den Samstag. Das würde für die 2,5 stündige Abfahrt incl. 5-stündige Rheinauffahrt etwa 1.600,–€ kosten. Nach Rücksprache mit Gerd Andersen vom Kunsthaus Kloster Gravenhorst sei das leider nicht finanzierbar. Darüber hinaus informiere ich sie, dass wir in Köln festsitzen. Die Umstände gefährden ein rechtzeitiges Einlaufen in Gravenhorst.
Ich beschliesse im Industriehafen Köln-Niehl nach einer Möglichkeit für einen Transport an Deck eines Großschiffes zu suchen.
Als erstes statte ich dem Zollamt einen Besuch ab, um meine Möglichkeiten zu erfragen. Dort schickt man mich zu den Speditionen Schenker Stinnes und DHL. Dort wie beim Zollamt ist man sichtlich amüsiert über mein Vorhaben. Frau Cichow von Stinnes rät mir, mich an ihren Kai zu stellen und die Kapitäne direkt zu fragen. Man könnte zumindest bis nach Duisburg kommen. Des weiteren könnte ich bei CTS vorsprechen. Dort werde ich zu Herrn Stracken geleitet, der ein Kunstkenner sei. Herr Stracken würde alles für mich möglich machen, wenn er könnte. „Aber die Kollegen von Dachser und Emons in Köln-Vingst fahren überall hin. Die müssen sie fragen.“ Allerdings seien diese schon im Wochenende. Er ruft freundlicherweise dort an, aber es meldet sich niemand mehr.

Allerdings möchte ich den Rat von Frau Cichow nicht unbefolgt lassen und stelle das Schiff exponiert an den Kai. Es kommt aber landet kein Industrieschiff an. Schade. Vielleicht klappt es morgen.


Samstag, 20.05.2006

Weiterfahrt nach Köln-Niehl,
Die DRLG schickt ein kleines Motorboot, dass mich ziehen kann.

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Passantin Julia Scholz übernimmt das Abstoßen vom Ufer. Die spontan zur Unterstützung bereiten DLRG-Mitarbeiter ziehen das Papierschiff nach Köln-Niehl. Sie hätten es allerdings lieber gehabt, wenn ihnen vorher Bescheid gesagt worden wäre. Dann wären sie auf einen Rettungseinsatz vorbereitet gewesen.

Ein Kind am Ufer fragt, ob man damit fahren kann. Ich stelle die Gegenfrage, ob sie mitfahren möchte. Sie verneint vehement und fragt ihre Eltern: „Können wir jetzt endlich Essen gehen. Ich habe Hunger. Ich steige ins Boot und fahre diesmal allein.


Sonntag, 21.05.2005

Regen, Sturm. Ich mache mich erneut auf die Suche nach einen Transportschiff, dass Richtung Ibbenbüren unterwegs und bereit ist, dass Papierschiff mitzunehmen. Im Hafen Köln-Niehl wird das Boot aufgestellt, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Frau Behl hat uns diese Stelle empfohlen. Dort vermutet sie Schiffe, die nach Norden über Duisburg anlegen. Warten bis zum nächsten Starkregen.

Als beim nächsten Regen der Wind das Boot wegfegt, droht unser Wille zu brechen. Wir möchten nicht schon wieder ein Schiff verlieren.
Wir hängen fest in Köln, ausgerechnet. Damit hätten wir am Wenigsten gerechnet.

Nach einem Tag Wartezeit bis in die Dunkelheit hinein und wiederholten Problemen mit der Sturm, geben wir auf. Vielleicht sollte die Reise doch nach Süden weitergehen. Allerdings haben wir eine Botschaft im Gepäck.

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Zwischendurch kommt ein holländischer Kapitän zu uns, der unterhalb des Papierschiffes angelegt hat und Kohle nach Thionville fährt. Er bietet uns an, das Boot mitzunehmen. Ich erkläre ihm, dass wir gerade dort herkommen. „Missionieren kannst Du doch überall“, geht er auf meine Projektbeschreibung ein. Ich erkundige mich, wann er ablegt. „Montag, 7.00 uhr lege ich ab“, antwortet er.

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Montag, 22.05.2006

Wir besinnen uns auf den Auftrag, die Botschaft der Mönche zu überbringen und erkundigen uns persönlich bei den Speditionen Dachser und Emons nach Transportmöglichkeiten. Die Fa. Dachser führt nur Straßentransporte durch. Die Fa. Emons verweist auf die Muttergesellschaft in Hamburg, von der ich dort erfahre, dass sie ausschliesslich Transporte nach Übersee durchführen. „Wenn Sie nach China möchten mit ihrem Schiff, kein Problem“, bekomme ich zur Antwort. Allerdings bekomme ich den Hinweis, dass die Reederei „Imperial“ in Duisburg Binnenschifftransporte ausführt. Dort werde ich zu Herrn Boegner weiter verbunden. Herr Boegner erweist sich als äußerst hilfsbereit und möchte sich auch um eine Verbindung zwischen Düsseldorf und Köln kümmern. Ich bin ein wenig beruhigt, schätze allerdings die Möglichkeiten, noch rechtzeitig mit dem Boot Nr. 3 in Gravenhorst anzukommen als relativ gering ein. Der Gedanke, in der Nähe von Gravenhorst ein neues Schiff zu bauen, nimmt Gestalt an. Ich informiere Frau Andersen, die sofort reagiert und nach einer Örtlichkeit sucht, die den besonderen Ansprüchen genügen könnte (am Wasserweg gelegen, Windstill, evtl. Halle oder Platz mit Bedachung).

Gegen 16.30 Uhr beginne ich aus Ernüchterung über die organisatorischen Misserfolge erneut, Wasser- und Schifffahrtsämter in Köln, Duisburg, Essen usw. anzutelefonieren, um doch noch eine Möglichkeit des Transportes an oder unter Deck zu finden. Die Reederei Imperial in Hamburg in Person von Herrn Boegner verspricht mir bis Dienstag Mittag eine Möglichkeit gefunden zu haben. Der Geduldsfaden ist gespannt, aber noch bleibt etwas Zeit für die Abreise aus Köln.


Dienstag, 23.05.2006

Bis Dienstag Mittag meldet sich Herr Boegner nicht, sodass ich die Hoffnung, auf seine Hilfe zu zählen, aufgebe. Aus Verzweiflung rufe ich erneut bei beim Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg an. Beim größten Industriehafen Europas sollte es doch möglich sein, eine Mitfahrgelegenheit für ein Papierschiff zu finden. Man erklärt mir, dass die Großschiffsführer derart unter Zeitdruck und in Konkurrenz mit anderen Transportmöglichkeiten in der Logistikbranche stünden, dass keine Zeit für die Realisierung meines Anliegens bliebe. Allerdings, so fällt ihm plätzlich ein, würde am Mittwoch ein Schiff über Köln nach Magdeburg auslaufen, die kämen in Ibbenbüren vorbei. Der Schiffsführer könnte das machen. Ich lasse mir die Telefonnummer geben und bedanke mich für den Hoffnungsschimmer. Volker Wehstedt ist der Schiffsführer von der MS Luv und sofort bereit, mir zu helfen. Er verspricht mir, mich zu informieren, sobald er sagen könne, wann die MS Luv in Köln sein kann.


Mittwoch, 24.05.2006

Anruf von Herrn Wehstedt um 16.30 Uhr. Wir verabreden am Donnerstag um 7.00 Uhr ein Treffen im Hafen Köln-Niehl, Becken III, um das Papierschiff an Bord zu bringen.


Donnerstag, 25.05.2006

Schiffsführer Wehstedt und seine Mannschaft erweisen sich als sehr freundlich und hilfsbereit. Wir unterhalten uns über das Leben unterwegs und die damit verbundenen Illusion eines romantischen Lebens auf den Wasserwegen. Ich berichte von meinem Glück, auf die MS Luv getroffen zu sein und der Zeitknappheit wegen der bevorstehenden Projektpräsentation im Kunsthaus Kloster Gravenhorst. Wir verabreden ein Treffen, gegen Freitag abend in Dörenthe bei Kilometer 80 des Do.-Ems-Kanals zur Schiffsübergabe. Wir verabschieden uns. Die Freude über das Glück ist bei allem Zeitdruck groß.

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Freitag, 26.05.2006

Um 16.30 Uhr Ankunft in Dörenthe und „Löschen“ des Papierschiffchens von der Luv. Gerd Andersen vom Kunsthaus empfängt das Schiff, Schiffsführer Wehstedt und die Reisenden herzlich. Wir bedanken uns für die Unterstützung des Projektes und verabschieden uns.

Abladen des „alten Schiffes“

Anschliessend wird im Kulturspeicher die große Kartonfläche vorbereitet für das vierte Schiff. In der Zwischenzeit telefoniere ich mit verschiedenen Skippern um den Besitzer um Herrn Klaus Nowacki herum, die sich angeboten haben, das Papierschiff die letzte Etappe über zu ziehen.


Samstag, 27.05.2006

Um 15 Uhr ist das Treffen im Kluturspeicher in Dörenthe mit freiwilligen Helfern aus Dörenthe und dem Leitungsteam des Kulturspeichers um Herrn Dr. Overmann. Nach kurzer Begrüßung wird das neue Schiff gefaltet wird. (In der Ibbenbürener Zeitung wurde um tatkräftige Unterstützung geworben. Tatsächlich fanden sich viele Helfer ein.) Das Schiff kann in einer „Regenpause“ auf dem Platz vor dem Kulturspeicher gefaltet werden.

Der „Hut“ wird ausgebeult

Ein Brautpaar fragt nach einer Hochzeitsreisende.


Sonntag, 28.05.2006

Die Begleitboote von Ralf Siems (Dinus), Harald Holland (Daggi), Ronald Seier und Klaus Nowacki legen gegen 11 Uhr in Dörenthe an. Umgehend wird das neue Faltboot an Deck der Dinus verzurrt. Zu unserem Bedauern herrscht starker, böiger Wind von Nord-Nordwest, der unser Vorhaben, dass Papierschiff zum „Nassen Dreieck“ zu ziehen, gefährdet.

Der Hafenmeister der „Alten Fahrt Fuestrup“ (Do.-Ems-Kanal, Km 80) Klaus Nowacki bittet zur kurzen Lagebesprechung. Er schlägt vor, bis kurz vor dem Nassen Dreieck das Boot an Deck zu belassen. Wenn dort weniger starker Wind herrsche, könnten wir es riskieren, das Schiff ins Wasser zu setzen. Das müsse allerdings vor Ort entschieden werden. „Du willst wirklich da reinsteigen“, fragt Klaus Siems, er habe noch einen Neoprenanzug dabei. „Dann ist es nicht zu kalt“. Ich lehne dankend ab, „Es gehe davon aus, ihn nicht benötigen“. Gegen 11.30 Uhr legen wir in Dörenthe ab: Zielhafen „Am Nassen Dreieck“ in Hörstel.

Am Dock des Bauhofes wird das Schiff von der „Dinus“ geladen und aufgestellt.

13 Uhr Ankunft „Am Nassen Dreieck“. Neben den Schülern der Klassen 4a und 4d der St. Ludgerus-Grundschule, mit denen die Probeboote in Gravenhorst gefaltet wurden, haben sich viele Menschen versammelt, um der Ankunft des Schiffes beizuwohnen. Es spielt „Silent Brass“ aus Münster, Gerd Andersen vom Kunsthaus Kloster Gravenhorst moderiert die Ankunft der Schiffe.

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Das Schiff wird zum Kunsthaus Kloster Gravenhorst befördert. Die Reise mündet in die Ausstellung „Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst“. Das Projekt ist beendet.


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